Auto einfahren – Mythos oder Realität?

  • 24th April 2014
  • Auto

Wenn es um das Thema „Auto einfahren“ geht und man sich damit genauer beschäftigt, findet man im Netz mit seinen unzähligen Ratgebern, Infoseiten und Foren immer wieder verschiedene Aussagen. Sofort Vollgas? Langsam Warmfahren? Nicht über eine bestimmte Geschwindigkeit oder Drehzahl? Doch was ist richtig oder falsch?

Jeder Fahrzeughersteller gibt auf die Frage „Wie muss ich das Auto einfahren“ eine etwas andere Antwort. Grundsätzlich muss man erst einmal verstehen, was bei einem Motor in der ersten Zeit passiert.  Der Motor besteht aus unzähligen kleinen und in der Fertigung mit geringsten Abweichungen gefertigten Teilen. Hauptsächlich die Kolben, welche sich innerhalb des Zylinders auf und ab bewegen, müssen sich mit der Zeit erst einmal einlaufen. Trotz häufig geringster Produktionsabweichungen und Fertigungstolleranzen ist die Oberfläche oft nicht glatt und erinnert, unter dem Mikroskop betrachtet eher an eine Bergkette. Beim Einfahren werden gerade diese Oberflächen langsam „abgeschliffen“ und der Kolben passt sich beim Auf- und ab bewegen langsam der Oberfläche an. Der „Abrieb“ wird dann über die Abgase verbrannt oder im Öl gebunden. Die Rede ist hierbei von geringsten, meist nur unter dem Mikroskop sichtbaren, Partikeln.

Ein besonderes Augenmerk sollte man noch auf Motoren mit Turboladern oder Kompressor Aufladung legen z.B. (Golf GTI, Mercedes A45 AMG, etc). Hierbei wird das Luft-Benzin oder Luft-Diesel Gemisch mit einem höheren Druck eingespritzt und verdichtet. Daraus resultiert eine wesentlich höhere Belastung des Motorblocks. Bei hoch drehenden Motoren sollte man darauf achten, dass man den Motor zu Beginn noch etwas schont. Hierbei sind sich die Hersteller grundsätzlich einig. In den ersten 1500 Kilometern nicht über 140 Km/h und 3500 Umdrehungen fahren. Anschließend kann man die Leistung langsam und durch wechselnde Drehzahlen steigern.

auto einfahrenAm Stammtisch hört man dann oft, dass schon nach 1500 Kilometern das Öl gewechselt werden sollte. Hersteller hingegen empfehlen dennoch erst einen Ölwechsel nach bis zu 30.000 Kilometern (Longlive Öl). Das heute zum Einsatz kommende Motorenöl ist soweit ausgereift und perfektioniert worden, dass es gerade diese Stoffe binden kann und somit einen frühen Ölwechsel überflüssig macht.

Doch nicht nur die Motoren wollen eingefahren werden. Auch die Bremsen erreichen erst nach ein paar Kilometern ihre volle Leistung. Hierbei begründet sich das Einfahren ähnlich wie beim Motor. Die Oberfläche der Bremsbeläge und die der Bremsscheibe müssen sich erst aufeinander „einschleifen“. Dabei kann es in der ersten Zeit zu einem erhöhten Abrieb kommen, welche sich durch eine höhere Bremsstaubentwicklung bemerkbar macht.

Ein wichtiger Faktor sind auch die Reifen. Hierbei wird die noch von Trennmitteln (Herstellungsbedingt) „verschmutzte“ Oberfläche „gereinigt“ und durch den Abrieb aufgeraut. Dies erfolgt in der Regel auf den ersten hundert bis dreihundert Kilometern. Erst danach erhält der Reifen seine volle Leistungsfähigkeit.

Fazit

Es kann nicht schaden, das Auto auf den ersten Kilometern zu schonen. Kolben und Zylinder müssen sich erst auf einander einspielen. Ratsam ist auch darauf zu achten, dass das Motoröl, auf Betriebstemperatur kommt, um seine Eigenschaften voll zu erfüllen. Ein Ölwechsel nach 1500 Kilometern ist heutzutage nicht mehr notwendig. Auch Reifen und Bremsen müssen zunächst eingefahren werden um ihre volle Leistungsfähigkeit zu entwickeln.