Kann eine Navi-App das klassische Navigationssystem ersetzen?

  • 1st Dezember 2013
  • News

Das klassische Navi könnte bald ausgedient haben: Immer mehr Autofahrer greifen zu Ihrem Smartphone, anstatt sich ein vollwertiges Navigationsgerät anzuschaffen. Ist ja auch praktisch – das Mobiltelefon ist immer dabei und der Download einer Navigations-App ist teilweise kostenfrei. Warum also ein zweites teures Gerät kaufen, wenn es über die gleichen Funktionen verfügt? Ganz so einfach ist es allerdings nicht: Beide Navigationstypen haben Vor- und Nachteile, denn gratis ist nicht unbedingt umsonst.

Karten-Kosten

Im Hinblick auf die Anschaffungskosten liegt die Navigations-App auf den ersten Blick klar vorne. Wie bei herkömmlichen Navigationsgeräten wird das Kartenmaterial von zu Hause aus direkt auf das jeweilige Gerät geladen und befinden sich die Karten daraufhin „on board“. Anders sieht dies bei kostenlosen oder besonders günstigen Apps aus. Hier werden die Daten live aus dem Internet geladen („off board“), was eine Datenflatrate empfehlenswert macht. Besonders bei Fahrten im Ausland sollte man hier vorsichtig sein, denn aufgrund der Roaming-Gebühren können dort selbst Kurzstrecken zu gefährlichen Kostenfallen werden. Den optimalen Weg gehen Anbieter wie Nokia oder Google, die beide Möglichkeiten unterstützen.

Veränderte Straßenverkehrslage

Das klassische Navigationsgerät greift auf das kostenlose TMC zu, während Smartphones auf Online-Dienste zurückgreifen. Dies ist zwar genauer, aber hier fallen für jede Datenübertragung zusätzliche Kosten an, wenn keine Flatrate zur Verfügung steht. Manche Hersteller erlauben die kostenpflichtige Zubuchung von Staudiensten. Viele portable Navigationsgeräte lassen ihrem Besitzer die Wahl zwischen Live-Dienst und TMC, das auch im Ausland kostenfrei funktioniert.

Notwendige Zusatzanschaffungen

Wer sein Smartphone als Navigationshilfe benutzen möchte, benötigt eine vibrationsfreie Halterung und ein Ladekabel. Ohne die Befestigung ist das Smartphone als Navigationsgerät nicht erlaubt – es wird als Mobiltelefon gewertet und ist „nicht straßenverkehrszulässig“. Da beim Navigieren das Display ständig mit Strom versorgt werden muss und der GPS-Empfänger dauerhaft läuft, ist ein Ladekabel unabdingbar, sonst hält das Telefon kaum länger als eine Stunde durch. All dieses Zubehör ist beim Kauf eines Navigationsgerätes bereits im Lieferumfang enthalten, ein weiterer Pluspunkt für den Klassiker.

Bedienerfreundlichkeit

Nicht nur aufgrund der geringeren Display-Größe weist das Smartphone als Navigationsgerät gegenüber dem klassischen Navigationssystem ein paar gravierende Nachteile auf. Insbesondere bei der Bedienung benötigt es weitaus mehr Aufmerksamkeit. Besonders problematisch: Das Telefon kann plötzlich an einer komplizierten Kreuzung klingeln oder der Benutzer schließt versehentlich die Anwendung. Beim GPS-Empfang hingegen hat das Smartphone den bauartbedingten Vorteil, sich zusätzlich an Mobilfunkmasten orientieren zu können, während bei einem klassischen Navigationsgerät während der Fahrt durch einen Tunnel oder enge Straßenschluchten gerne mal der Empfang zum Satelliten abbricht.

Routenberechnung und Zielführung

In Sachen Zielführung kann das Smartphone besonders mit dem Rechentempo punkten – die verbauten Prozessoren sind in der Regel deutlich stärker als die eines Navigationsgeräts. Die vorgeschlagenen Routen sind meist identisch und dank Hochkant-Ausrichtung bietet das Smartphone eine bessere Übersicht in Fahrtrichtung. Allerdings sind besonders im Punkt Zielführung die geringere Displaygröße und die schlechteren Lautsprecher der Smartphones im Gegensatz zu einem klassischen Navigationsgerät zu bemängeln, was je nach Modell unterschiedlich stark ins Gewicht fällt. Leider löst selbst eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung das Problem des schlechten Tones nicht, denn die Ansagen werden wie eine Musikquelle behandelt und somit nicht automatisch durchgeschaltet. Hört der Nutzer allerdings bereits Musik über Bluetooth-Audiostreaming, so werden auch die Navigationsansagen sanft eingeblendet.

Fazit

Die Entscheidung, ob ein klassisches Navigationsgerät sinnvoll ist oder ob das Smartphone mit geringen „Aufrüstungskosten“ genügt, hängt in erster Linie von den Nutzungsgewohnheiten ab. Für Gelegenheits-Fahrer reicht ein Smartphone völlig aus. Es bietet zudem einen Mobilitäts-Vorteil: So lässt sich die Navigations-Software nicht nur beim Autofahren nutzen, sondern auch beim Wandern, Fahrradfahren oder Sightseeing. Für „Vielfahrer“, insbesondere über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist der Kauf eines klassischen Navis nach wie vor die bessere Wahl. Hier entfallen die „Aufrüstungskosten“, benötigt während der Fahrt weniger Aufmerksamkeit und navigiert in schweren Situationen zuverlässiger.

App-Tipp für Gelegenheitsfahrer: Navigon Europe

Die App macht das Smartphone zum vollwertigen Navigationssystem. Kartenmaterial für 40 europäische Länder ist bereits vorinstalliert – eine dauerhafte Online-Verbindung ist nicht nötig. Neben akustischen Anweisungen inklusive Straßennamen bietet die App eine übersichtliche Kartendarstellung wahlweise in 2D oder 3D, die reale Beschilderung von Autobahn-Ausfahrten, Tempowarner und Sonderziele (Tankstellen, Banken, Restaurants).

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